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Filmkritik - Die Luftbrücke

Spielfilm mit Heino Ferch und Bettina Zimmermann (2005)

  Als Jahrgang 1970 bin ich mit der Nachkriegszeit und den Rosinenbombern nicht in Berührung gekommen, auch in meiner Verwandtschaft ist da niemand.

Warum mich die Flugzeugabstürze während  der Zeit der Berliner Luftbrücke trotzdem interessierten, lesen Sie
hier.

Auf der Seite Rosinenbomberabstürze erfahren Sie, wo in Deutschland und Großbritannien die 20 Flugzeugabstürze während der Luftbrücke tatsächlich passiert sind.

Es existiert ein Link von Wikipedia auf diese Seite:
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Luftbruecke

Interaktiv: Gerne können Sie im Anschluss einen Kommentar hinterlassen!

Der Grund dafür, dass ich mich genauer mit den historischen Tatsachen im Vergleich zu dem Film beschäftige: Es ist mir zunächst eine deutliche Verzerrung in einem Punkt aufgefallen. In einem Filmabschnitt werden Original-Szenen mit Wrackteilen und Bränden gezeigt, die eindeutig in Berlin stattfinden.

Dazu wird folgender Text gesprochen - es soll wohl ein Nachrichtensprecher simuliert werden: "... aber mit der Hoffnung wächst auch die Angst der Bevölkerung, ob dieser waghalsige Plan [=Luftbrücke] gelingen kann ... denn in den letzten Wochen kam es bereits zu zahlreichen Flugzeugabstürzen. Junge Piloten gaben für die Freiheit ihr Leben und während die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte rund um die Uhr alles Menschen mögliche tun, fragen sich die Berliner: "Ist das Wunder zu schaffen?""

Diese Aussage fand ich maßlos übertrieben, denn es ist während der gesamten Zeit der Berliner Luftbrücke (24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949) nur ein Flugzeug über bewohntem Gebiet abgestürzt. Dies passierte am 25. Juli 1948 kurz nach Mitternacht in der Handjery-Straße 2 in Berlin-Friedenau. Genau diese Original-Szenen nach dem Absturz werden im Film gezeigt. Bei diesem Absturz, der bis zu diesem Zeitpunkt der zweite Absturz seit Beginn der Luftbrücke war, gaben zwei Piloten ihr Leben. Beim ersten Unfall 16 Tage vorher zerschellte und explodierte ein Flugzeug an einem Berg im Taunus, was drei Piloten das Leben kostete.

Wenn der gespielte Nachrichtensprecher zu diesem Zeitpunkt spricht, kann er ja unmöglich wissen, dass es noch 18 weitere "Rosinen­bomber"-­Flugzeug­abstürze geben wird. Aber diese bisher zwei Abstürze als zahlreich zu bezeichnen, ist einfach sachlich nicht richtig.

Ich bin eigentlich überhaupt nicht mit der Materie vertraut und hatte mich noch nie damit beschäftigt. Da ich sichergehen wollte, dass meine Einschätzung richtig ist, nahm ich Kontakt mit Dr. Wolfgang Huschke, dem Autor des Buches "Die Rosinenbomber - Die Berliner Luftbrücke 1948/49, ihre technische Voraussetzungen und deren erfolgreiche Umsetzung" auf. Er bestätigte, dass die oben beschriebene Szene tatsächlich übertrieben dargestellt ist und machte mich auf weitere Unstimmigkeiten im Film aufmerksam.

Klar, aus dramaturgischen Gründen wird in jedem Film, der auf historischen Tatsachen beruht, einiges verändert. Aber gerade mit der genannten Stelle wird im Nachhinein der Eindruck vermittelt, bei der Luftbrückenaktion wären ständig Flugzeuge abstürzt und die Bevölkerung wäre dadurch massiv bedroht gewesen. Das ist in meinen Augen Geschichtsverfälschung.

Dr. Huschke meinte, die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte waren rund um die Uhr auf Bereitschaft, das stimmte. Aber sie waren nicht ständig im Einsatz.

Die Filmfigur General Philipp Turner ist eine Fiktionalisierung des historischen Generals William H. Tunner. Diese Fiktionalisierung bzw. Umbenennung war nötig, um die frei erfundene Liebesgeschichte zwischen dem General und der Sekretärin abseits historischer Fakten erzählen zu können. Wären die Filmleute nicht so schlau gewesen, hätte ihnen die 2009 gestorbene Witwe von William H. Tunner sicherlich die Hölle heiß gemacht.

William H. Tunner...

  • hatte sein Büro und seine Wohnung gar nicht in Berlin, sondern in Wiesbaden
  • wohnte in keinem einer Villa ähnlichem Haus, sondern in einem winzigem Einzelzimmer im Hotel "Schwarzer Bock" in Wiesbaden. Erst später konnte er in eine etwas komfortablere Behausung umziehen, aber auch das war keine Villa (2. DVD, 39. Filmminute)!
  • setzte sich nicht ins gemachte Nest in Berlin, sondern musste sein Hauptquartier in Wiesbaden erst selbst ausstatten; man überließ ihm ein sich in einem erbärmlichen Zustand befindliches Apartmenthaus voll von Schutt und Trümmern ohne Tische, Stühle und Telefone!
  • brachte seine langjährige Sekretärin Miss Catherine (Katie) Gibson aus den USA mit
  • wäre im Freien nie ohne Mütze herumgelaufen, er war ein Disziplin-Freak

Im Film stieß ich noch auf weitere Unstimmigkeiten, bei denen man sich fragt, warum dies in den Film eingeflochten wurde. Es folgt eine Liste in der Reihefolge im Film mit Angaben der Filmminuten:

Filmminute  1. DVD
05:14 Szene: Ein Flugzeug überfliegt das Flughafengebäude Tempelhof

Unlogisch:
Das Flugzeug bewegt sich fast im 90°-Winkel auf die Mitte der Landebahn zu, eine Landung ist so eigentlich nicht möglich.


Flughafen Tempelhof auf einer größeren Karte anzeigen

Entweder wurde das Flugzeug nachträglich hineinkopiert oder Folgendes ist vorstellbar: In Berlin fliegt seit einigen Jahren eine DC-3 als sog. Rosinenbomber mit Personen kurze Ausflüge über Berlin. Bis zur Schließung von Tempelhof war das Flugzeug dort stationiert. Bei Feierstunden für den 12. Mai (Ende der Blockade) ist die Maschine ziemlich niedrig über dem Ehrenmal gekreist. Dabei ist es durchaus möglich, dass sie entweder zufällig oder auf ausdrückliche Anweisung durch den Kontrollturm über das Ehrenmal Richtung Hauptgebäude und fast im rechten Winkel zur Landebahn Ehrenmal und Gebäude überflogen hat. Das wurde sicherlich oft gefilmt und dann für den besagten Film verwendet, vielleicht mit kleinen notwendigen Retuschierungen. Die Lage der Landebahnen (am Schluss nur noch zwei) ist die ganze Zeit unverändert geblieben, nämlich alle fast genau in Ost-West-Richtung.
20:26 Szene: In einer Besprechung hat Clay die Idee mit der Luftbrücke, d.h. die Versorgung der Stadt durch die Luft und ist sofort dafür. Er erwähnt vor dieser Aussage ganz kurz, dass er eigentlich für den Landweg sei.

Unrichtig:
Letztere Aussage stimmt. Clay hat mehrfach die Idee geäußert, die Blockade durch einen bewaffneten Konvoi auf dem Landweg zu öffnen, aber die Idee wurde von Washington (Präsident, Pentagon und Außenministerium) rigoros abgelehnt, denn man hatte Angst, es würde Krieg bedeuten. Die Idee für die Luftbrücke kam aber von einem britischen General, nicht von Clay.
22:44 bis
23:06
bereits im Vorwort ausführlich geschildert
(Szenen Flugzeugabsturz in Berlin)

24:00 bis
25:07
Szene: Bevor Turner/Tunner eingetroffen ist, gibt es eine Havarie mit einem Flugzeug auf der Startbahn. Die sich im Landeanflug befindlichen Piloten Harry und Jack sollen deshalb weiterfliegen, landen aber auf waghalsige Weise trotzdem, denn sie haben kein Benzin mehr.

Unrichtig:
Alle für die Luftbrücke eingesetzten Flugzeuge wurden auf ihren Absprunghäfen in den Westzonen so betankt, dass sie für die Strecke nach Berlin und zurück, plus eine Reserve, Treibstoff im Tank hatten, falls bei Verschlechterung des Wetters ein Ausweichflughafen angeflogen werden musste. Es ist vorgekommen, dass Flugzeuge in Brüssel oder gar Marseille gelandet sind. Es ist also praktisch ausgeschlossen, dass Flugzeuge in Berlin mit leerem Tank ankamen. Außerdem gab es in Berlin keine Möglichkeit, nachzutanken. Man hätte dann ja auch noch Treibstoff nach Berlin einfliegen müssen!
Also ist auch dieser Dialog zwischen den Piloten an der Bar, nach dem Vorfall, pure Phantasie: „Wir sind nur halb betankt gewesen, aber die leeren Maschinen aus Texas, die betanken sie voll.“
25:51 Szene: General Cock Austin Walker - der übrigens eine reine Filmfigur ist - und Clay laufen durch die Flugzeughallen, General Walker sagt: „Wir brauchen 2000 Tonnen pro Tag“.

Unrichtig:
Eine weitere Angabe im Film von 632 t (Tonnage am Anfang der Luftbrücke) könnte durchaus realistisch sein, da am 7.7.48 die Gesamttonnage innerhalb von 24 Stunden zum ersten Mal die 1000 short tons Marke übersteigt, d.h. es waren umgerechnet ca. 910 t.

Die Filmangabe 2000 t ist aber zu tief angesetzt, es wurde deutlich mehr benötigt. Als absolute Untergrenze für die Versorgung der deutschen Bevölkerung der drei Westsektoren war in Übereinstimmung zwischen den alliierten und deutschen Stellen in Berlin 4500 t Güter ermittelt worden, davon ca. 1500 t Lebensmittel und der Rest in erster Linie Brennstoff (Kohle, Benzin und Dieseltreibstoff). Es war immer noch weniger als das, was normal über Land nach Berlin gebracht worden wäre, nämlich 8000 t.
26:16 General Cock Austin Walker sagt: „So lange wir Nebel haben, spielt das Radar verrückt!“

Unrichtig:
Natürlich kann das Radar manchmal verrückt spielen, aber die Ursache ist dann niemals der Nebel. So gesehen ergibt die Aussage überhaupt keinen Sinn. Das Radar ist doch dafür gedacht, dass man bei "Nacht und Nebel" Schiffe, Flugzeuge etc. erkennt.
28:04 Hump-WappenSzene: Turner/Tunner hat am Ärmel dieses Wappen.

Unrichtig:
Das Wappen ist das Abzeichen der ATC-CID (Air Transport Command - China India Division) aus den Zeiten der Hump-Luftbrücke. Es ist unwahrscheinlich, dass es von Tunner noch während der Berliner Luftbrücke getragen wurde. Vielleicht wollte der Drehbuchautor im Film die Verbindung zwischen der Hump- und der Berliner Luftbrücke herstellen.
30:40 bis
31:36
Szene: Die Beteiligten sitzen um einem Plan mit den Luftkorridoren nach West-Berlin. Tunner/Turner erklärt, dass die Korridore wie Autobahnen verwendet werden, d.h. in allen drei Korridoren gibt es jeweils gleichzeitig hin- und zurückfliegende Flugzeuge. Er hat eine bessere Idee: zwei Korridore für den Hinflug, einen für den Rückflug – was dann auch so umgesetzt wurde.

Unrichtig:
Der neue Plan war nicht Tunners Idee. Den Einbahnverkehr in den Korridoren hat General Smith in Absprache mit der RAF (Royal Air Force) eingeführt – ca. Mitte Juli und vor der Ankunft Tunners in Berlin. Obwohl sowohl der südliche als auch der nördliche Korridor nur für Flüge nach Berlin vorgesehen waren, hat es für den nördlichen Korridor einige Ausnahmen gegeben. Einige Male, also ausnahmsweise und nicht regelmäßig, sind einige zivile Chartermaschinen, die aus Hamburg kamen und durch den nördlichen Korridor nach Berlin geflogen waren, auch zurück durch den nördlichen Korridor geflogen. Die britischen Charterfirmen waren fast durchweg knapp bei Kasse und konnten beim Rückflug durch den nördlichen Korridor sehr viel Geld für Treibstoff einsparen. Das wurde natürlich alles mit der Luftaufsicht abgesprochen und kontrolliert. Wie gesagt, das waren einige Ausnahmen und geschah nur wenige Male.
Starten:
32:35
32:43
fliegend:
32:46-
33:18
über Berlin:
33:37-
34:04
am Hangar:
36:52
nochmal:
59:01
Mehrere Szenen: Flugzeuge starten sehr eng aufeinander und fliegen auch sehr dicht hintereinander.

Unrichtig:
Im Film hat man technisch aufwendig viele Flugzeuge in einen Rahmen kopiert, um so die Masse der beteiligten Flugzeuge zu demonstrieren. Für Laien ist das zwar sehr eindrucksvoll, Fachleute sehen aber sofort den kompletten Unsinn, d.h. die Unmöglichkeit, auf so engem Raum so viele Flugzeuge zu bewegen. Die Abstände in der Wirklichkeit waren sehr unterschiedlich und auch vom Wetter abhängig. In den Korridoren betrug die Höhenstaffelung 300 - 500 m, und die Entfernung horizontal mindestens 1 km bis zu 3 km. Im Landeanflug zu den einzelnen Flugplätzen gab es keine Höhenstaffelung, nur noch Horizontalabstände. Die betrugen dann im Normalfall 1 1/2 bis 2 km. Die Landebahn in Tempelhof hatte eine Länge von ca. 1500 m. Ein gelandetes Flugzeug musste am Ende der Bahn zunächst die Landebahn verlassen haben, bevor am anderen Ende das nächste Flugzeug zur Landung aufsetzen konnte."
57:24 Szene: Tunner/Turner zeigt ein Modell, das er als "größtes Fließband der Welt" bezeichnet und meinte damit die komplette Abwicklung der Luftbrücke. Er bringt im Film mit dieser Fließbandlösung in Verbindung, dass die Flugzeuge zu ihren Basen zurückfliegen mussten, wenn eine Landung auf den Berliner Flughäfen nicht stattfinden konnte oder vom Piloten "verpatzt" wurde.

Unrichtig:
In der Realität wurde dies jedoch als Reaktion auf den sog. "Black Friday" am Freitag, den 13. August 1948 eingeführt. An diesem Tag passierte folgendes: Eine C-54 landete aufgrund schlechter Sicht durch Starkregen und defekter Scheibenwischer auf der gerade im Bau befindlichen zweiten Landebahn auf dem Flughafen Tempelhof. Das Flugzeug wurde stark beschädigt, aber die Besatzung blieb unverletzt. Die nächste C-54 konnte nicht vor dem Ende der Landebahn zum Stehen gebracht werden, rutschte in den Graben vor dem Tempelhofer Damm und ging in Flammen auf. Die Besatzung konnte sich in Sicherheit bringen. Alle nachfolgenden Maschinen, die in Abständen von wenigen Minuten im Luftraum über Berlin eintrafen, wurden in Warteschleifen geschickt. Der Luftraum in Berlin wurde immer enger, und am Boden stauten sich die ausgeladenen Flugzeuge, die keine Starterlaubnis erhielten, weil das Kontrollpersonal Kollisionen mit den über Berlin kreisenden Flugzeugen befürchtete. Im Sprechfunk herrschte totales Chaos, weil alle wissen wollten, was los war. Sogar William H. Tunner selbst saß in einer der kreisenden Maschinen. Es blieb nur eine Lösung. Tunner nahm das Sprechfunkmikrophon und rief den Kontrollturm Tempelhof: "Hier spricht Tunner und ihr hört zu. Schickt alle Flugzeuge zurück zu ihren Basen."
01:01:13 Zur Abwechslung muss auch mal eine Szene erwähnt werden, die historisch sachlich richtig war. Wundertüten gab es tatsächlich vor dem Krieg. Ich fragte per E-Mail bei verschiedenen Wundertüten-Herstellern an, da im Internet einfach keine verlässlichen Quellen zu finden waren. Eine Firma antwortete: „Das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath hatte vor vielen Jahren eine Ausstellung über die Geschichte der Wundertüte zusammengestellt und auch uns um Ausstellungsstücke gebeten. Daher wissen wir, dass es Wundertüten bereits um die Jahrhundertwende gab.“
01:02:22 Szene: Turner/Tunner steht in einer Flugzeughalle, umrundet von den Mitarbeitern: „Bisher wurde jede Maschine einzeln gewartet, aber dabei seid ihr euch nur gegenseitig auf den Füßen gestanden. Ab sofort kommen die Maschinen da rein (zeigt), da ist die Mechanik, da drüben die Elektrik, da hinten die Triebwerke.“

Unrichtig:
In Berlin wurde keinerlei Wartung durchgeführt, das geschah am Beginn in Oberpfaffenhofen (bei München) und dann in Burtonwood (England). Dafür gab es aber auf allen Einsatzplätzen sogenannte 25- und 50-Stundenkontrollen, durchgeführt von den Maintenance Squadrons der verschiedenen Transport-Gruppen. Bei den Amerikanern halfen dabei viele deutsche Mechaniker.
01:05:29 Szene: zwei Flugzeuge streifen sich, ein Flugzeug stürzt über Berlin ab, das andere explodiert auf der Landebahn (Harry stirbt).

Unrichtig:
Es hat keinen Zusammenstoß zweier Flugzeuge mit jeweils zwei Abstürzen über Berlin gegeben. Es kam tatsächlich nur einmal während der Luftbrücke vor, dass zwei Flugzeuge in der Luft zusammengestoßen und in der Folge abgestürzt sind. Dies aber nicht in Berlin, sondern in der Nähe von Ravolzhausen bei Hanau.
01:16:32 Szene Gespräch Turner/Tunner und Clay - Turner/Tunner: „In wenigen Wochen haben wir hier Nebel und Schneetreiben. Und deshalb werden wir unser gesamtes Radar austauschen.“ Clay: „Wie stellen Sie sich das vor?“ Turner: „Wie ich höre, sind die Radaranlagen auf den italienischen Stützpunkten brandneu – da wo sie kein Mensch braucht.“

Unrichtig:
Die in Tempelhof installierte große Radaranlage war ursprünglich für Alaska bestimmt und kam direkt aus den USA.
01:16:50 Streit Clay/Turner. Turner/Tunner wirft Clay vor, dass er die Luftbrücke selbst nicht effektiv genug organisieren konnte - „Ich bin Dämpfer für ihren Stolz“. Clay darauf: „Sie sind ja verrückt.“

Unrichtig:
Es gibt keine Quellen für diesen Streit und ist in der geschilderten Form auch kaum vorstellbar!
01:24:55 Szene: Russische Maschinen werden mit Patronen geladen. Darauf Gespräch im Weißen Haus: „Der russische Militäradministrator Sokolowski hat Flugmanöver angekündigt. Wie wir hören, machen die Russen Jagdmaschinen startklar.“ Außerdem wird gesagt, dass vier B-29-Bomber nach England verlegt worden wären. Sie wären startbereit. „Für den Fall eines Kriegsausbruchs genehmigen Sie damit den Einsatz von Atomwaffen.“ Präsident sagt: „Wir scheinen an der Schwelle eines neuen Krieges zu stehen“.

Unrichtig:
Russische Jagdmaschinen haben sich besonders in der Anfangszeit den Transportern genähert, aber nie geschossen. Eine Squadron B-29 ist tatsächlich aus den USA nach England verlegt worden und hat von dort Übungsflüge auch über der Ostsee durchgeführt. Das war durchaus als Drohung zu verstehen. Aber keine B-29 hatte Atombomben an Bord!
  Ende 1. DVD
Filmminute
2. DVD
2. DVD
01:53 bis
05:30
Szene: das Flugzeug mit Jack und seinem neuen Copiloten muss einem Manöver/Angriff der Russen ausweichen. Die Russen kommen von vorne und das Flugzeug der Amerikaner weicht stark nach oben aus. Dabei verrutscht die Ladung im hinteren Teil des Flugzeugs nach vorne zu den Passagieren (Kindern) im Mittelteil. Die Ladung ist wahrscheinlich fest verzurrt gewesen, aber durch die Heftigkeit der Flugzeugbewegung ist da wohl was gerissen. Der Pilot schreit, nachdem die Ladung verrutscht ist: "Die Steuerung ist blockiert!" Das Flugzeug ist manövrierunfähig. Die Schnauze zeigt nach oben, etwas später explodiert der Propeller und raucht. Der Copilot versucht im Mittelteil eine Kiste wegzuhieven, er schreit: "Die Kiste blockiert den Seilzug!"  Er schafft es schließlich, die Kiste wegzuhieven und das Flugzeug kommt wieder in die Gerade.

Unlogisch:
Kabel und Gestänge für die Steuerung waren unter den Bodenplatten verlegt, also müsste die verrutschte Ladung die Bodenplatten sehr massiv aufgerissen und beschädigt haben - sehr unrealistisch. Außerdem  - wenn das Flugzeug nach oben ausweicht, dann rutscht lose Ladung nach hinten und nicht umgekehrt!
05:52 bis
06:00
Szene: Die Besatzung aus der letzten Szene kam noch heil auf dem Flughafen an. Turner/Tunner telefonierte aufgeregt mit Clay: "Die Russen greifen unsere Maschinen an!"

Unrichtig:
In der Realität ist während der ganzen Zeit der Luftbrücke kein einziges Flugzeug direkt aus der Luft oder vom Boden aus attackiert worden. Es gab aber Behinderungen durch sowjetische Flugzeuge, Blenden durch Scheinwerferübungen, Flakübungen und Fallschirmabsprünge im Gebiet der Korridore. Scheinbare Behinderungen waren viele Annäherungen von sowjetischen Jägern, die wohl die neuen und unbekannten großen Transportflugzeuge näher betrachten wollten. Sowjetische Störaktionen unterbrachen den Strom der Flugzeuge nie!
 07:48 Szene im Weißen Haus: Als Folge zu den vorangegangenen „Manövern“ sollen die Transportflugzeuge geschützt werden: „Wir haben zwei Jagdfliegerstaffeln nach Bayern verlegt.“

Nicht ganz richtig:
Es gab nicht nur Staffeln, sondern ganze Jagdgeschwader in Bayern. Zeitweilig lag auch eine Jagdgruppe in Celle.
22:55 Szene: Karlshorst – Russe sagt zu Stalin: „Vier B-29-Bomber sind nach England verlegt worden. Der letzte aktive Einsatz der Maschinen war in Hiroshima, Truman hat angeblich Einsatz der Atombombe bewilligt.
siehe 1. DVD 01:24:55
24:53 Szene: Der Wintereinbruch ist gekommen, Schneetreiben ist angesagt. Es wird ein Absturz nahe der bayerischen Grenze erwähnt.

Unrichtig:
Die Korridore verliefen nicht über Bayern! Es verlief eine Luftstraße zum Korridor von Aschaffenburg nach Fulda. Sonst gab es nur Flüge nach Oberpfaffenhofen bei München, wo 200-Stunden-Wartungen durchgeführt wurden. Dort fand auch kein Absturz statt, sondern nur einmal eine funkensprühende Bauchlandung auf der Landebahn mit Schaumteppich.
25:00 Szene Dialog Walker-Turner/Tunner: „Die Jungs fliegen bis zu 24 h – wir brauchen Decken, denen frieren die Zehen da oben ab.“

Unrealistisch:
Kein Pilot ist 24 Stunden geflogen! Decken im Cockpit wären zudem nur hinderlich gewesen.
25:32 Szene: Turner mit seiner Geliebten/Sekretärin. Er gibt wegen des Schneetreibens eine neue Order heraus. Piloten sollen sich alle 30 min melden, ein Durchschlag geht an Celle, Faßberg, Wiesbaden, an die Engländer.

Meldungen der Piloten hatten nichts mit Schnee oder Regen zu tun. Sie meldeten sich über allen sogenannten Pflichtmeldepunkten, d.h. über VORs (Drehfunkfeuer) oder NDBs (Flugfunkfeuer) mit Flugzeugkennung und Zeitangabe und falls erwünscht mit Geschwindigkeit und Höhe. Meldungen in 30 Minutenabständen sind wahrscheinlich Filmphantasien.

 48:00 Szene: Turner/Tunner sieht auf einer Autofahrt einen Telegraphenmasten und hat die Idee, dass man die Flugzeuge auch übereinander fliegen lassen könnte.

Unrichtig:
Die Höhenstaffelung gab es schon von Anfang an und noch vor dem Eintreffen von Tunner in Berlin. Zur Erinnerung: Beginn der Luftbrücke (nicht der Berlin-Blockade!): 26.6.1948, Eintreffen von General Tunner: 28.7.1948. 
 55:00 Man beachte folgenden Ablauf: Die ersten Szenen, wie der heftige Winter 1948 einbrach, waren in der 24. Filmminute (2. DVD) zu sehen. Weihnachten wurde eindeutig in der 42. Minute gefeiert. Ab der 55. Minute hatte die Luftbrücke mit Nebel zu kämpfen. Tunner/Turner beschwert sich, dass der Flughafen Tegel noch nicht fertig ist. Lustig, denn in der Realität war Tegel bereits am 5. November 1948 fertiggestellt. Die Flugzeuge starteten und landeten bereits, und am 5. Dezember 1948 wurde der Flughafen in großem Rahmen eingeweiht. Diese Ereignisse liegen ohne Zweifel noch vor Weihnachten!

Der Nebel und damit der Stillstand der Luftbrücke im Film dauerte fünf Tage hintereinander. Dies war jedoch nie wirklich gegeben, sondern es handelte sich um insgesamt fünf Tage, die nicht zusammenhängend waren.
58:50 Szene im Berliner Rathaus – Reuter sagt zu Clay: „Es ist uns gelungen, nochmal 2000 Arbeiter zu beschaffen, in zwei Wochen sollte Tegel fertig sein.“

Vergessen:
Der Film hat eine interessante Tatsache verschwiegen oder unter den Tisch fallen lassen. Reuter sagte "Arbeiter", aber es waren tatsächlich zur Hälfte auch Frauen!
01:05:20 Szene: Unterhaltung am Flughafen u.a. mit Piloten, der Gail Harvorsen darstellt, den Onkel Wackelflügel, der auf die Idee kam, Fallschirmchen mit Schokolade und Kaugummis über Berlin abzuwerfen. Es wird angesprochen, dass Schokolade auch über Ostteil abgeworfen würde und dass die Russen sich darüber beschwert hätten. Allerdings ging das Gespräch mit einem Gag aus „Richten Sie aus, die Schokolade schmeckt in beiden Teilen der Stadt gleich“.

Es wird nicht erwähnt, dass tatsächlich über Ostberlin nach wohl dieser Beschwerde der Sowjets keine Fallschirmchen mehr abgeworfen werden durften. Die Russen hatten also mit Erfolg protestiert.
01:10:05 Szene im Berliner Rathaus. Sowjetische Besatzungszone bekommt Kohle aus Ruhrgebiet und Frankreich. „Die Sowjets sind nicht die Einzigen, die eine Blockade ausführen können.“ Die Blockade dieser Lieferungen führt in der Folge zur Aufhebung der Berlin-Blockade durch die Russen.

Nicht ganz richtig:
Als Antwort auf die Blockade durch die Sowjets haben die West-Alliierten die Lieferung von für die Russen äußerst wichtigen Industriegütern eingestellt. Das traf die Russen an einer sehr empfindlichen Stelle und hat auch zur Einstellung der Blockade geführt. Der Hauptgrund aber war, dass die Russen einsahen, dass die Luftbrücke im Frühjahr 1949 bestens funktionierte!
01:26:45 Szene: Turner/Tunner und Clay erhalten jeweils im Weißen Haus einen Orden. Dieser Orden wird genau gezeigt und kann als das "Distinguished Service Cross"  identifiziert werden.

Unrichtig:
Allerdings erhielt der echte William H. Tunner den Orden erst nach dem Koreakrieg, in dem er von 1950 bis 1953 erneut eine Luftbrücke organisiert hatte. Im Film kam die Ehrung also zu früh! Auch Lucius D. Clay erhielt im Film ein "Distinguished Service Cross". Soweit ich recherchieren konnte, bekam Clay wahrscheinlich nie einen solchen amerikanischen Orden. Dafür wurde Lucius D. Clay 1962 zum Ehrenbürger Berlins ernannt und bekam 1965 das Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes verliehen.

Nächster Einsatz von Turner/Tunner lt. Film: Guam.

Unrichtig:
In Tunners Buch "Over the Hump" wird Guam nirgendwo erwähnt, also haben die Filmleute phantasiert.
Beginn des
Abspanns
Man liest: „"Bei den fast 280.000 Flügen gab es mehrere tödliche Unfälle, bei denen insgesamt 39 Briten, 31 US-Amerikaner und 13 Deutsche ihr Leben verloren." In Wikipedia und auf dem Luftbrückenehrenmal heißt es: "39 Briten, 31 US-Amerikaner und 8 Deutsche". Warum werden 5 Deutsche dort „unterschlagen“?

Gar nicht so falsch:
Das hat mit dem Absturz am 24.1.1949 in der Nähe des Flughafens Lübeck-Blankensee zu tun. Die umgekommenen Deutschen sind nicht mitgezählt worden, da sie einfache Passagiere waren, die ausgeflogen wurden. Sie hatten nichts mit der Organisation der Luftbrücke zu tun und sind deshalb nicht als direkte Opfer der Luftbrücke zu betrachten. Ein überlebender Austauschstudent, der spätere Dr. Lothar Zeidler, ist da allerdings ganz anderer Ansicht! Wenigstens der Film hat seine Position verstanden und gewürdigt!
  Ende 2. DVD

Quellen:
Die Rosinenbomber - Die Berliner Luftbrücke 1948/49, ihre technische Voraussetzungen und deren erfolgreiche Umsetzumg
Wolfgang J. Huschke
2008 Berliner Wissenschafts-Verlag
2., verbesserte und erweiterte Auflage

dazu Angaben von Dr. Wolfgang J. Huschke (bisher unveröffentlicht)

Wikipedia Artikel "Die Luftbrücke - nur der Himmel war frei"

Textpassagen aus dem Film selbst

Kommentare: 3

1
UserFranz Felberbauer
Date / Time22.07.12 - 14:59:45

Sehr, sehr gründliche Bearbeitung.

Allerdings: 8 + 5 (!) = 13 (nicht 7...) In Wikipedia zumindest ist der 'Fehler' inzwischen korrigiert worden.

Frage an den Wissenden: Wurde damals bereits wirklich Streptomycin in großen Mengen eingeflogen?

2
UserSonja
Date / Time23.07.12 - 21:47:11
Homepagehttp://www.welt-im-web.de

Danke für das Kompliment. Dafür dass ich kein Fachmann auf dem Gebiet bin, sondern frisch eingestiegen bin, ist es doch recht gut geworden.

Aha, der "Fehler" mit den 13 Deutschen wurde korrigiert, danke für die Info. Oh, mir muss wohl auch mal ein Fehler passieren Es wurden also 5 Deutsche unterschlagen - werde ich auch gleich ausbessern.

Wegen des Streptomycins habe ich keine Info gefunden. Es wurde ja im Oktober 1943 erstmals isoliert. Wie lange es dann dauerte, bis es auf den Markt kam - keine Ahnung.

Meine Englisch ist nicht so gut, geht es daraus hervor?
www.bioline.org.br/request?ac93005

Liebe Grüße
Sonja

3
UserPIERINIF
Date / Time24.10.12 - 22:31:58

Es excelente la serie. Me parecio muy buena, la historia, y el desguace de las "fallas" u errores que se cometieron es increible.

Ademas, siempre nos quedará volver a Berlín, para segirla conociendo.

Desde la Republica Argentina, en la ciudad de los Linden (Los Tilos), La Plata.:-)

Anm. der Redaktion - Übersetzung/translation via Google Übersetzer/translator: Ausgezeichnete Reihe. Ich war süchtig, Geschichte und die Verschrottung der "Fehler" oder Fehler gemacht, ist unglaublich. Darüber hinaus werden wir immer wieder nach Berlin, um zu wissen, segirla/reisen? Von der Republik Argentinien, in der Stadt Linden (Los Tilos), La Plata.

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