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08.05.2017, 11:10
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Gedächtnisfehler

Es gibt lt. Daniel Schachter 7 Hauptmechanismen, durch die das menschliche Gedächtnis die Realität verzerren kann:

1. Transienz (Vergänglichkeit)
Menschen erinnern sich besser an Ereignisse der letzten Stunden als vom Tag oder der Woche zuvor.
2. Geistesabwesenheit
Wenn man Sachen verliert oder vergisst, wo man sie zuletzt hingelegt hat. Oder wenn man an einer Autobahn-Ausfahrt vorbeifährt etc.
3. Blockierung
Gemeint ist, dass einem einem etwas auf der Zunge liegt, aber man kommt nicht drauf
4. Fehlattribution
Erinnerung an nicht ausgeführte Handlungen oder Durcheinanderwerfen von Erinnerungen
Hängt damit zusammen, dass autobiografische Erinnerungen nicht allesamt an einem einzigen Ort im Gehirn gespeichert werden, vielmehr werden sie in einem komplizierten und hochempfindlichen Rekonstruktionsprozess immer wieder neu zusammengefügt. Das erinnert mich stark an den Computer (Defragmentierung) und die Bibel!
Wir vermuten außerdem, dass es dabei zu Fehlern kommen kann, weil alles mögliche als Erinnerung abgespeichert wird, weil das Gehirn eigentlich nicht unterscheiden kann, ob es eine Fantasie, eine Vorstellung, eine Traumerinnerung, Szenen aus Theater, Kino und Fernsehen oder eine tatsächlich erlebtes Ereignis ist. Oder ist unsere Vermutung falsch?
5. Suggestibilität
Das Gehirn produziert falsche Erinnerungen, die durch Formen der Beeinflussung vorgegeben werden. 
 6. Verzerrung
Erinnerung an frühere Erlebnisse wird durch gegenwärtige Gedanken und Befühle beeinflusst und verändert
  6.1. Konsistenzfehler
Frühere Gedanken und Gefühle werden so rekonstruiert, dass sie besser mit der Gegenwart übereinstimmen, so dass wir uns daran erinnern, in der Vergangenheit genauso empfunden zu haben wie heute
  6.2. Veränderungsfehler
Wenn Menschen glauben, dass sie eine Veränderung im Leben oder an sich selbst vollzogen haben, und diese Veränderung in ihrer Vorstellung größer ausfällt, als sie tatsächlich ist.
Wer kann das beurteilen? Doch nur der betroffene Mensch selbst!
  6.3. Rückschaufehler
Wenn man glaubt, etwas immer schon gewusst zu haben, was man aber gerade erst erfahren hat.
  6.4. stereotype Gedächtnisfehler
Diese tragen zu rassistischen und geschlechtsspezifischen Vorurteilen bei. Vorgefasste, allgemeine Ansichten über eine bestimmte Personengruppe werden auf einzelne Menschen projeziert. Ich finde, man kann das ruhiger noch allgemeiner formulieren: Vorgefasste, allgemeine Ansichten über bestimmte Themen werden auf einzelne Situationen projeziert.
  6.5. Persistenz (Beharrlichkeit)
Dieser Fehler bewirkt, dass Menschen Enttäuschungen oder beschämende Momente in ihrem Leben nicht vergessen können, können auch posttraumatische Belastungsstörungen auslösen
 7. Egozentrische Gedächtnisfehler
Diese entstellen Erinnerungen auf eine Weise, die dem Ego schmeichelt (mehr Erfolge als Niederlagen z.B.)

Ich verstehe nicht, warum "egozentrische Gedächtnisfehler" nicht auch in die Rubrik "Verzerrung" gehören, sondern einen extra Punkt bilden.

Übrigens, eine normale Erinnerungsfähigkeit ermöglicht, dass man sich im Zeitraum von 300 Tagen an etwa
3 % der Lebensereignisse erinnert, d.h. man erinnert sich an ein Ereignis in drei Wochen.
Das ist irgendwie nicht viel!

Quelle: schwarze Schrift - "Die Frau, die nichts vergessen kann" - Leben mit einem einzigartigem Gedächtnis von Jill Price mit Bart Davis
rote Schrift - meine Überlegungen
 

 

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